Vorlagentechnik

(„Template Pattern“)

Es kann sehr zeitsparend sein, ChatGPT eine genaue Vorlage dafür zu liefern, in welcher äußeren Form man die Antwort erhalten möchte. So lassen sich spätere manuelle Anpassungen und Formatierungen vermeiden.

Um ChatGPT eine Mustervorlage zu geben, sind einige Zeichen durch Nutzungskonventionen etabliert:

  • Struktur: Überschriften mit stufenweise abnehmender Größe: #, ##, ###
  • Platzhalter: <Platzhalter, den ChatGPT ausfüllen soll>; auch andere Vereinbarungen sind möglich, wie „als Platzhalter benutze ich GROSSBUCHSTABEN“
  • Tabellengliederungszeichen: |
  • Optionale Elemente: [optional]
  • Trennlinie für Abschnittsgliederungen: ———–
  • * oder -: Gliederungspunkte für Auflistungen
  • Fettdruck: Begriffe zur schnellen Orientierung hervorheben
  • Fußnotenreferenz [^1]

Als Beispiel lasse ich ChatGPT drei recht komplexe Tabellen aus einem Informationstext über den Schaumburg-Lippischen Grafen Wilhelm erstellen. (Da ich dem System grundsätzlich keine fremden Materialien füttere, die nicht bereits online sind, stammt der Text aus einem eigenen Buch, einem Reiseführer über das Schaumburger Land.) Ich gebe dazu drei jeweils verschiedene Inhaltskriterien an und weise ChatGPT überdies an, geeignete Titel für die 3 Tabellen zu suchen und Tabellen-Nummer und -Titel als Unterüberschrift zu setzen, während die Hauptüberschrift „Graf Wilhelm“ heißen soll. Die Strukturierungsleistung, die hier erbracht wird, ist beachtlich – unnötig zu sagen, dass ein menschlicher Bearbeiter für diese Aufgabe deutlich länger gebraucht hätte als die wenigen Sekunden, die bis zur Antwort verstrichen sind; auch die Formatvorgaben wurden 1:1 umgesetzt. Der Prompt lautet:




Wenn du möchtest, kann ich die Tabellen auch als Arbeitsblatt (z. B. für den Unterricht) oder als PowerPoint-Folie formatieren.

Die Aufgabe ist im Wesentlichen fehlerfrei gelöst; eine Nachprüfung wäre natürlich unerlässlich, wollte man das Material nutzen (im konkreten Fall kann ChatGPT z.B. nicht wissen, dass das Jagdhaus Bergleben, in dem Graf Wilhelm verstarb, nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz steht, sondern nach Bad Nenndorf transloziert wurde, weil der Text diese Information nicht liefert). Es zeigt sich aber erneut, dass die Verlässlichkeit sehr hoch ist, wenn ChatGPT mit im Prompt gegebenem bzw. dem Prompt beigefügten Material arbeitet.

Auch für andere Aufgaben kann es sinnvoll sein, die Ausgabemodalitäten genau vorab festzulegen. Im Folgenden lasse ich ein Quiz nach bestimmten Vorgaben erstellen:

Um noch Vorgaben für optionale Angaben und Auflistungen zu demonstrieren, noch einmal ein Prompt, der ChatGPT um eine Literatenauswahl bittet.





Erkennbar ist, dass ChatGPT flexibel reagiert auf die optionalen Felder, indem etwa bei der lebenden Autorin Herta Müller (wie gewünscht) nur das Geburtsjahr notiert wurde und bei Grass kein Zitat geliefert wird. Ich habe ChatGPT bei den Zitaten freie Hand gelassen, was nicht unbedingt sinnvoll war, anders als bei den Auszeichnungen, die ja nicht zwingend gegeben sein müssen; generell hapert es bei den Zitaten, die teils nicht wörtlich sind und bei Wolf – wenig überzeugend – einen Werktitel darstellen. Hier wäre nachzuarbeiten, um Prüfung der Zitate oder Neuauswahl zu bitten etc. Und noch ein Tipp: Für einen Faktencheck empfiehlt es sich, auch mal ein zweites Tool zu verwenden: So kann man etwa die Ausgaben von ChatGPT von Perplexity, einem sehr leistungsfähigen Recherchetool, gegenprüfen lassen. Aber auch da gilt: Die letzte Prüfungsinstanz sollten wir selbst sein!

Was die Formatierungen angeht, hat sich ChatGPT, ohnehin stark auf Übersichtlichkeit ausgerichtet, hier selbst für Fettsetzungen „entschieden“, auch ohne ausdrückliche Anweisung. Aber es gilt: Wenn es mir wichtig ist, kann ich die Gestalt der Ausgabe durch das Prompting gezielt lenken. Je klarer Struktur, Kriterien und Ausgabeformat durch die Vorlagentechnik definiert werden, desto stärker verschiebt sich die Arbeit von der formalen Nachbearbeitung und Redaktion zur inhaltlichen Qualitätsprüfung.

Wenn ChatGPT das Muster kennt, nach dem verfahren werden soll, sind Spezifikationen nicht unbedingt nötig (aber natürlich jederzeit möglich). Ich habe versuchshalber folgendes Urlaubsfoto mit der Bitte um drei Social Media Posts eingestellt (englisch). Im Unterschied zu mir „weiß“ ChatGPT, wie dieses Format bedient wird: